Anlässlich der Eröffnung ihrer Konferenz zum Schutz der Umwelt am 5.Juni 1972 in Stockholm haben die Vereinten Nationen diesen Tag zum alljährlichen „Tag der Umwelt“ erklärt, vier Jahre später tat dies die Bundesrepublik auf nationaler Ebene.
Abgedroschen, aber alternativlos
Der Klimaschutz steht 2026 im Mittelpunkt. Nach einem hilflosen Aufruf zum globalen Klimaschutz anlässlich des Welttages folgt auf der Website der Vereinten Nationen zum ungezählten Male eine Auflistung der Bedrohungen der globalen Erwärmung für den Menschen. Dennoch gibt man sich optimistisch. Der Weltumwelttag erinnere uns daran, dass wir noch Zeit hätten umzusteuern.
Umweltschutz bringt was. Zusammen.
… lautet das diesjährige Motto. Es gebe laut UN eine bedeutende Kraft, nämlich die des gemeinschaftlichen Handelns. Es werden positive Beispiele genannt als Signale dafür, dass es noch gelingen könnte, das Ruder kurz vor dem Kipp-Punkt herumzureißen. Erwähnt werden Renaturierungsprojekte junger Menschen oder der Ausbau erneuerbarer Energien.
Abschließend wirbt die globale Kampagne des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (#NowForClimate) um unsere Teilnahme und unser Engagement hin zu lösungsorientierten Veränderungen im Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Mensch und Natur neu denken
Weltweit nehmen seit Monaten Debatten Fahrt auf, in denen das Mensch-Natur-Verhältnis neu bestimmt wird. Denn unsere Beziehung zur Natur ist massiv gestört. Wir, die wir in westlichen Industrienationen leben, sehen uns als „Nabel der Welt“ und nehmen uns das Recht heraus, Natur für unsere Zwecke auszubeuten. Damit schaden wir nicht nur anderen lebenden Systemen und deren Lebensräumen, sondern zerstören auch unsere eigenen Lebensgrundlagen.
Mitwelt statt Umwelt
Bei indigenen Völkern des globalen Südens herrscht kulturell bedingt hingegen eher die Auffassung vor, der Mensch sei Teil der Natur und diese seine Mitwelt. So hat Ecuador als erstes Land weltweit im Jahre 2008 der Natur per Verfassung Eigenrechte zugestanden. Bolivien folgte 2010 mit eigenen Gesetzgebungen. Diese gehen von einer ganzheitlichen Weltsicht aus, in der Menschen nicht das Zentrum sind, sondern als Teil der Natur angesehen werden, und alles miteinander verflochten ist.
Eigenrechte für die Natur
Das Netzwerk „Rechte der Natur“ hat in Deutschland eine Initiative für eine Grundgesetzreform auf den Weg gebracht. Sie fordert Eigenrechte für die Natur, um Flora, Fauna und Ökosysteme besser zu schützen.
Ihr Vorschlag beispielsweise für einen zusätzlichen Absatz 2 zum Artikel 1 des Grundgesetzes lautet: „Die Würde der Natur gebietet, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, zu pflegen und zu wahren und den Eigenwert der natürlichen Mitwelt im Ganzen der Natur zu achten.“ (rechte-der-natur.de)
Auf zu neuen Ufern
Wir Grüne meinen: Die Zeit ist reif! Die Debatten über unser Verhältnis zur Mitwelt müssen auf breiter gesellschaftlicher Ebene geführt werden. Die Thematik ist komplex. Was bedeutet ein gutes Leben als Mensch an der Seite anderer lebender Organismen und inmitten verflochtener und voneinander abhängiger Ökosysteme? Welche Ethik für uns und die Mitwelt leiten wir daraus ab? Antworten darauf stehen in den Sternen – der Mensch als Krone der Schöpfung jedenfalls war gestern.
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