Kommentar: Warum Grün?

von Rune Baruschke

Rune Baruschke

Rune Baruschke

Warum eigentlich Grün? Warum eigentlich nicht? Grün ist doch immerhin mal besser als Türkis. Schon weil es international salonfähig ist. Oder wissen Sie etwa, wie man Türkis im Englischen schreibt? Richtig: Turquoise. Das kann sich nicht nur kein Schwein merken, sondern auch kein Mensch. Zwei Wesen, die übrigens über eine verdammt hohe Schnittmenge verfügen, und zwar nicht nur genetisch, sondern oft auch optisch. Aber wem erzähle ich das hier eigentlich? Schließlich haben Sie sicher auch noch lebende Verwandte, die Sie mindestens einmal im Jahr zu Gesicht bekommen.

Zurück zum Thema. Man schweift viel zu schnell ab in diesen wirren Zeiten. Gerade in der Politik ist das häufig ein Problem. Eben war man gedanklich noch beim Hauptbahnhof in Stuttgart, schon steht man auf dem Flughafen in Frankfurt, der zwar im Gegensatz zu dem Berliner Exemplar fertig, dafür aber mit Problembären überfüllt ist. Oder so ähnlich. Wer kann sich schon in den Kopf eines (ehemaligen) Spitzenpolitikers der Union versetzen? Und wer will das schon? Naja, wenigstens wäre es dort schön ruhig, vielleicht ein bisschen zugig. Egal. Wie schon gesagt, man schweift zu leicht ab. Eben redete man von Spitzenpolitik, im nächsten Moment schmeißt jemand drei Buchstaben in den Raum und schon wird aus einem Gespräch über Macht eines über Archäologie: FDP. Weniger das Gelbe vom Ei, eher das Gelbe vom Pickel. Ok, jetzt wird’s eklig. Macht nichts! Politik ist ein schmutziges Geschäft. Heißt es. Ich frage mich, ob das wohl an den Akteuren liegen könnte, die Politik machen. Wer waren die gleich nochmal? Ein schneller Blick in unsere Verfassung liefert die Antwort: In Deutschland geht alle Macht vom Volke aus. Richtig, das Volk. Sie! Sie und Ihre oben erwähnten Verwandten. Also nicht die Schweine, die anderen! Sie machen die Politik! Ganz ruhig weiter atmen, vielleicht sollten Sie einen Schluck Wasser trinken. Ich schätze, ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich Sie so erschreckt habe. Ich weiß, ich weiß. Das konnte ja keiner ahnen. Wenn Ihnen das mal jemand früher gesagt hätte, nicht wahr? Aber es ist doch besser spät, als nie.

Politiker sind eben nicht so gern direkt, da müssen Sie ein bisschen Verständnis haben. Der Politiker an sich ist ein scheues Reh. Zugegeben, diese Metapher wirkt beim Anblick von Sigmar Gabriel etwas weit her geholt, aber darum geht es jetzt nicht. Sie müssen sich das so vorstellen: Da kauert das scheue Politik-Bambi im Berliner Unterholz, mampft friedlich seine Gesetze (und Rehe sind Wiederkäuer, also keine Hektik!) und möchte eigentlich nur seine Ruhe haben. Aber da gibt es immer so ein paar Deppen die im Wald herumkrakeelen und völlig debil etwas von „Arbeitsplätzen“ durch die Gegend schreien. Und schwupp, schon ist das Reh verschwunden, weil es ja nicht weiß, dass diese Irren, die sich oft im typischen Stil von Schwerverbrechern seltsame Decknamen wie DIHK und BDA geben, ihm eigentlich gar nichts tun können. Denn die einzigen, die in diesem Wald eine Waffe tragen, sind Sie. Sie bekommen das Reh aber aufgrund der Ignoranz einiger weniger Vollidioten meistens gar nicht zu Gesicht. Eigentlich schade, oder? Und wie lösen wir nun das Problem? Wie wäre es, wenn Sie zur Abwechselung mal nicht auf das Reh, sondern auf die Krawallmacher anlegen. Sie können ja daneben schießen; sie sollen sich ja nur ein bisschen erschrecken.

Vermutlich haben Sie jetzt noch immer nicht die Antwort auf die Eingangsfrage gefunden. Wie wäre es damit: In der Politik reden alle immer von ominösen „Inhalten“, von „mündigen Wählern“ und „den Menschen“. Und die Geschichte zeigt, dass das, wovon man in der Politik redet, häufig das ist, was hinten runter fällt. Ihr Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Brome möchte es hiermit andersherum versuchen: Dieser Text war weitgehend frei von Inhalten, da wir nicht einfach darüber reden, sondern tatsächlich etwas tun!

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