Stellungnahme: Flüchtlingswohnheim Ehra-Lessien

Die Bilder und Berichte aus den gegenwärtigen Krisengebieten sind kaum zu ertragen. Sei es die unaufhaltsame Zerstörung der Zivilgesellschaft und Kultur in Syrien, die täglichen Flüchtlingsdramen auf dem Mittelmeer oder die massive Ausgrenzung von Minderheiten innerhalb Europas. An all diesen Orten werden die grundlegenden Menschenrechte mit Füßen getreten.

Krieg und Gewalt beherrschen den Alltag der Zivilbevölkerung, massenhafte Flucht und Vertreibungen sind die Folgen und bringen zwangsläufig Hunger und Elend mit sich –

denken wir nur an die gigantischen Flüchtlingslager im Libanon: Ein Land mit rund vier Millionen Einwohnern hat mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen! Was sich scheinbar so weit entfernt abspielt, ist schon lange in unserem Landkreis angekommen und nicht nur die Politik und Verwaltung, sondern vor allem viele engagierte Bürgerinnen und Bürger zeigen durch ihren Einsatz ein großes Maß an humanitärer Verantwortung. In zahlreichen Initiativen wird wertvolle Arbeit geleistet, die ethische, humanitäre oder religiöse Motivation und Verantwortung zeigt.

Die Entscheidung in Ehra-Lessien die leerstehenden Kaserne als Flüchtlingswohnheim zu nutzen und den Menschen somit Obdach zu geben, ist vor dem Hintergrund der sich täglich abspielenden humanitären Katastrophen richtig gewesen. Niemand soll ausgegrenzt oder gar isoliert werden! Wer dies behauptet, übersieht, dass wir allein 2015 rund 850 Menschen angemessen unterbringen wollen. Da ist es mit einigen wenigen möglichen Wohnungen nicht getan. Es wäre geradezu zynisch, aufgrund der zweifellos abseitigen Lage der ehemaligen Kaserne den Menschen diesen Wohnraum zu verweigern. Wir brauchen den Wohnraum jetzt!

Gleichwohl ist eine dezentrale Unterbringung immer noch das erklärte Ziel aller im Kreistag Gifhorn vertretenen Parteien und wurde erst auf der letzten Kreistagssitzung in einer einstimmig verabschiedeten Resolution bestätigt.

Letztendlich gilt es, die Ursachen für diesen weltweiten Massenexodus zu bekämpfen und denn gesellschaftlichen Druck auf die Staats- und Regierungschefs Lösungen zu finden und durchzusetzen, aufrecht erhalten werden. So ist es auf dem gerade zu Ende gegangenen G7-Gipfel nicht gelungen, nachhaltige Strategien vorzustellen und die Chancen und Möglichkeiten dieses so mächtigen Gremiums zu nutzen. Dabei würde eine Entflechtung der ungerechten und allzu häufig illegalen ökonomischen Verhältnisse und eine bewusste Eindämmung der hemmungslosen Profitorientierung auf Kosten der jeweiligen Bevölkerung vielen Millionen Menschen den Zwang, ihre Heimat zu verlassen, nehmen.

Doch zunächst gilt es, die Kinder, Frauen und Männer in unserem Landkreis willkommen zu heißen, ihnen Unterkunft zu geben und bei den ersten Schritten zu begleiten – und dazu gehört auch die Entscheidung für den Standort Ehra-Lessien.

Der Kreisvorstand

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