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Stellungnahme: Alkoholvergiftung bei Jugendlichen

Radio FFN hat die Parteien im Landkreis Gifhorn um eine Stellungnahme des folgenden Antrags der AfD Fraktion

Bei Einsatz des Rettungsmittels im Landkreis Gifhorn für Jugendliche unter 18 Jahren bei Alkoholvergiftung soll der Landkreis die Kosten des Einsatzes der Rettungsmittel den verantwortlichen Erziehungsberechtigen in aller Regel in Rechnung stellen.“

gebeten.

 

Stellungnahme BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Übernahme der Kosten für Rettungsmittel

Hier: Junge Menschen mit einer Alkoholvergiftung

Ich gebe für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gern eine Stellungnahme ab, obwohl die Flut von nicht durchdachten Anträgen der AfD schon eher die Frage aufkommen lässt, ob man die Anträge ganz einfach ignoriert und gar keine große Diskussion in den Gremien führen sollte.

Warum ist der Antrag nicht durchdacht?

Die AfD suggeriert mit ihrem Vorschlag, dass durch die drohende Kostenübernahme beim Einsatz des Rettungsdienstes junge Menschen weniger trinken. Das ist natürlich unsinnig, denn jeder, der sich ein wenig mit Jugendpsychologie auskennt, weiß, dass Verbotenes ganz besonders reizvoll ist. Wir wissen aber auch, dass man sich als junger Mensch ausprobieren und von der Erwachsenenwelt absetzen will.

Prävention ist der wichtigste Ansatz!

Bei Drogenmissbrauch – ob nun legal, oder illegal – ist die Prävention der wichtigste Ansatz. Dass Eltern hier eine hohe Verantwortung haben, ist unbestritten – und auch, dass nicht alle Eltern sich dieser Verantwortung stellen. Aber auch die Schulen, die Vereine, die Ausrichter von Festen haben hier eine hohe Verantwortung.

Im Landkreis Gifhorn haben sich an dieser Präventionsarbeit viele Stellen beteiligt, in sehr starkem Maße auch die Jugendpflege auf den unterschiedlichen Ebenen. Dieser Präventionsansatz war und ist durchaus erfolgreich, vor ca. 10 Jahren war die Anzahl der jungen Menschen, die nach Komasaufen mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik gekommen sind, deutlich höher. Die weiterhin bestehende Praxis, nach der Einlieferung in die Klinik seitens des Jugendamtes den Jugendlichen und ihren Eltern Unterstützung anzubieten, ist aus der Sicht der Grünen positiv zu bewerten. Dazu gibt es auch Gesprächskreise mit betroffenen Eltern.

Die Grünen haben gegen die von der AfD vorgeschlagene Praxis aber auch andere erhebliche Bedenken

  1. Die Alkoholvergiftung und ihre Folgen sind als medizinischer Notfall zu werten, es wird kaum rechtlich möglich sein, Eltern von krankenversicherten Kindern hier zur Kasse zu bitten.
  2. Eine solche Regelung könnte auch dazu führen, dass der Rettungsdienst in dem einen oder anderen Fall aus Angst vor Kosten gar nicht erst informiert wird. Das allerdings kann zu erheblichen gesundheitlichen Schäden, sogar zum Tode führen. Ob der AfD das egal ist?

Zusammengefasst: Wir halten den Vorschlag der AfD für komplett untauglich,  sind aber gern bereit, mehr finanzielle Mittel für Präventionsarbeit oder gut durchdachte Events (alkoholfreie Discoveranstaltungen) zur Verfügung zu stellen, wenn die anderen Fraktionen des Landkreises dies auch unterstützen.

Klaus Rautenbach

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