Rede Nicole Wockenfuß Rat Stadt Gifhorn 15.6.2020 zu „Sicherer Hafen“

Nicole Wockenfuß

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten, sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer,


Sicherer Hafen, worum geht es?


Es geht darum, dass die Stadt Gifhorn bereit ist, aus Seenot gerettete Flüchtlinge aufzunehmen.
Dabei geht es nicht darum 100te oder mehr Flüchtlinge aufzunehmen, es geht lediglich darum,
dass wir bereit sind sie aufzunehmen, damit die Schiffe mit Geflüchteten in die südlichen Häfen einfahren können.


Es geht darum die Kapitän*innen zu entkriminalsieren und es geht um humane Hilfe. Und wer immer noch meint, dass durch diesen Beschluss Schleuser erst aufgefordert werden
oder Flüchtlinge kommen, weil es dann angeblich so einfach ist, der hat die Realität nicht erkannt.


Es gab eine große Mahnwache Ende letzten Jahres in unserer Fußgängerzone. Wer dort war hat gesehen wie die Flüchtlingsboote aussehen, das ist keine Kreuzfahrt wie hier einige denken. Die Boote sind eng, es sind Schlauchboote ohne festen Boden.

Ich habe mich mit einem Flüchtling unterhalten, der auf so einem Boot geflohen ist.
Er hat mir erzählt, wie viel Angst alle hatten und egal ob jemand an Gott glaubte oder nicht, alle haben gebetet.


Durch die Corona-Pandemie ist die Berichterstattung zu den Geflüchteten in den letzten Wochen und Monaten sehr in den Hintergrund gerückt, es sind inzwischen aber wieder viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken.


Auch über die Lage in Lesbos ist der Öffentlichkeit wenig bekannt. Am 7. September letzten Jahres
hat die Aller Zeitung einen Bericht über den ertrunkenen Alan Kurdi (2 Jahre) geschrieben, sein Vater, seine Mutter und ein weiterer Bruder (5 Jahre) wollten vom türkischen Bodrum zur griechischen Insel Kos übersetzen. Nur der Vater Abdullah Kurdi überlebte. Das Foto des Jungen Alan Kurdi wurde zum Symbol des Flüchtlingjahres 2015. Heute heißt eins der Flüchtlingsschiffe in Erinnerung an den Jugen „Alan Kurdi“.

Der Sichere Hafen ist auch als Zeichen für alle Menschen die in Gifhorn leben, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, zu sehen. Wir Gifhornerinnen und Gifhorner zeigen damit, dass wir Menschen in großer Not helfen und sie bei uns aufnehmen wollen.

Gifhorn gehört finanziell zu den Städten, denen es verhältnismäßig sehr gut geht und sich deshalb solidarisch zeigen kann. Wir haben starke Schultern, eine aktive Zivilgesellschaft und die Möglichkeiten zu helfen, deshalb lassen Sie uns gemeinsam den Beschluss zum Sicheren Hafen fassen.


In Deutschland gibt es bereits 157 sichere Häfen siehe auch https://seebruecke.org/sichere-haefen/sichere-haefen/ 29 davon in Niedersachsen. Hier in Gifhorn gibt es ein breites Bündnis aus Kirchen, Verbänden, Gewerkschaften und engagierten Bürger*innen, welche sich außerparlamentarisch für die Aufnahme Geflüchteter aus Seenot und aus den überfüllten griechischen Lagern einsetzen.


Wenn Ihnen also, die Sie alle eine humanitäre Verantwortung haben, die Schicksale der Flüchtlinge nicht egal sind, dann stimmen Sie unserem Antrag zu.


Vielen Dank

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