Trinkwasserschutz vs. Ölförderung

Leserbrief von Thomas Lucker

Sauberes Trinkwasser ist ein hohes Gut. Im Niedersächsischen Wassergesetzes steht deshalb, dass Wasserschutzgebiete im Interesse der öffentlichen Wasserversorgung bzw. zum Wohl der Allgemeinheit festgesetzt werden, um das Grundwasser im Einzugsgebiet vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen. Darüber hinaus wird im Aktionsprogramm Boden des Niedersächsischen Umweltministeriums der Vorsorgegedanke beim Schutz der Böden in den Mittelpunkt gerückt und ein gesellschaftlicher Diskurs für eine nachhaltige Bodennutzung gefordert.

Was wir aber im Landkreis Gifhorn im Bereich der Erdölförderung erleben, ist ein „Weiter so wie bisher“ und damit das genaue Gegenteil von dem, was verantwortliche Behörden in ihren Broschüren veröffentlichen. Die Bürgerinnen und Bürger sind sehr wohl daran interessiert, wie mit ihrem Grundwasser umgegangen wird. Aber wo wird öffentlich darüber diskutiert, ob in Trinkwasserschutzgebieten nach Öl gebohrt werden darf? Immer wieder werden neue Ölbohrungen in Trinkwasserschutzgebieten beantragt.

In der Vergangenheit wurde in ähnlichen Fällen der Schutz des Grundwassers zum Wohle der Allgemeinheit häufig hinter das Profitinteresse einzelner Firmen gestellt. Aber jede Bohrung birgt das Risiko, das Grundwasser mit Schwermetallen und Kohlenwasserstoffen zu belasten. Diese Gefahr darf nicht weiter kleingeredet werden. Auch die Wasserverbände müssten sich hier wirkungsvoller für den vorsorgenden Schutz der Trinkwasservorräte einsetzen.

Ein eindrückliches negatives Beispiel sind die Bohrungen in Emlichheim, in der Grafschaft Bentheim, aus denen mehrere 100.000 Kubikmeter belastetes Lagerstättenwasser über Jahre in den Untergrund austraten. Meiner Meinung nach müsste die Ölförderung in Trinkwasserschutzgebieten aufgrund des hohen Gefahrenpotentials eingestellt werden damit die öffentliche Trinkwasserversorgung zum Wohle der Allgemeinheit gesichert wird. Auch sollten Leitungssysteme, die über 20 Jahre im Boden liegen, stärker kontrolliert bzw. ausgetauscht werden, um Leckagen künftig zu minimieren und unser hohes Gut, sauberes Trinkwasser, effektiv zu schützen.

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