Rede im Kreistag

Müll: Der Landkreis sollte den Hut aufhaben

Wo: Kreistag des Landkreises Gifhorn

Von: Nicole Wockenfuß
Am: 22.06.2022

Der Abfallmarkt ist groß. Die deutsche Entsorgungswirtschaft beschäftigt rund 267.000 Frauen und Männer und macht etwa 70 Milliarden Euro Umsatz. 2019 fielen laut Statistischem Bundesamt insgesamt 455 Kilogramm Haushaltsabfälle pro Kopf an, davon 157 Kilo Restmüll.

Nicole Wockenfuß

Laut einer aktuellen Datenauswertung des Unternehmens Euwid-Recycling besorgen in Deutschland vor allem die Kommunen und Remondis die Abfallsammlung. Demnach wurde 2020 jede zweite Restmülltonne von kommunalen Betrieben abgeholt, womit der Marktanteil der Kommunen seit 2003 um ein knappes Drittel gestiegen ist. Vor allem im Osten sind die Gemeinden führend.

Dass bei den Abfall-Ausschreibungen zunehmend weniger Angebote bei den Kommunen eingehen, ist kein Geheimnis. Also:

  • wenig Konkurrenz,
  • höhere Preisspirale,
  • wenig Verbraucher*innenfreundlich,
  • hohe Abhängigkeit.

Geringere Kosten und mehr Einfluss

Die Müllentsorgung gehört wie die Wasser-, die Strom-, und die Krankenversorgung zur Daseinsvorsorge. Ich denke, viele von ihnen kennen die Bilder in einigen Ländern in denen die Abfallentsorgung nicht funktioniert. Vermüllung auf den Straßen, Vermüllung in der Landschaft, Gestank und Krankheiten. Dazu wollen wir es nicht kommen lassen.

Wir wissen, dass im Müll die Rohstoffe der Zukunft sind. Nur mit diesem Müll werden wir die Rohstoffmärkte ausreichend bestücken können. Die Reduzierung der Rohstoffpreise, das Angebot von Rohstoffen und der Erhalt der Umwelt sind ein zukünftiger Faktor bei der Müllentsorgung. Nur wenn wir selber über den Müll verfügen können, können wir ihn maßgeschneidert verwerten, und das sollte ein Landkreis selbst in der Hand haben.

Wir müssen entscheiden, was für uns und unseren Landkreis richtig ist:

  • Wir wollen den Einfluss auf die Zukunft der Müllentsorgung und die Kosten haben.
  • Wir wollen entscheiden wie die Arbeitsbedingungen der bei der Entsorgung Beschäftigten aussehen sollen.
  • Wir wollen entscheiden welche Umweltstandards bei uns im Landkreis greifen sollen.
  • Zusammengefasst: Wir wollen den Hut aufhaben.

Lassen Sie uns die Verantwortung übernehmen und die weitere Fortschreibung der Monopolisierung in unserem Landkreis stoppen. Lassen Sie uns gemeinsam über die Zukunft des Landkreises an dieser Stelle beschließen.

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