Hochwasserschutz: Alle müssen zusammenarbeiten

Zum Februar-Stammtisch der Grünen in Isenbüttel war aus aktuellem Grund das Thema Hochwasserschutz Schwerpunktthema. Silke Westphalen, die Geschäftsführerin des Aller-Ohre-Ise-Verbandes, war als sachkundige Referentin eingeladen worden. In seiner Anmoderation betonte Klaus Rautenbach: „Wir müssen Dank sagen für das vielfältige ehrenamtliche Engagement der Feuerwehren, des DRK und des THW, die über die Feiertage eine ungeheuer aufreibende Arbeit getan haben. Dieses Engagement ist gar nicht zu bezahlen. Aber der Dank gilt auch den hauptamtlichen Mitarbeiter*innen der Kommunen und in den Verbänden – das Katastrophenmanagement ist extrem professionell aufgestellt. In der Nachschau wird jetzt vorrangig die Notwendigkeit erörtert, mehr bauliche Schutzmaßnahmen in Gang zu bringen und das Katastrophenequipment zu optimieren. Heute soll die Thematik jedoch grundsätzlicher angegangen werden – wo liegen die Ursachen für die Ereignisse, was müssen Kommunen und Bürger*innen in der Zukunft angehen?“

Bauleitplanung hin zur Schwammstadt

Silke Westphalen zeigte an Hand von beeindruckendem Zahlenmaterial die Hintergründe auf: „Durch die lang andauernden Regenfälle auf gesättigten Böden ist es zu schwerwiegenden Folgen gekommen. Die Niederschlagsmenge war in Niedersachsen die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen, am Pegel Brenneckenbrück musste mit 3,75m der höchste je gemessene Pegelstand verzeichnet werden. Insgesamt haben wir in der Samtgemeinde Isenbüttel noch Glück gehabt, noch weiter andauernde Regenfälle hätten durchaus zu einer Katastrophe führen können. Deshalb geht es in der Kommunalpolitik zukünftig darum, die Orte so aufzustellen, dass es auch in Zukunft nicht zu größeren Sach- oder auch Personenschäden kommt.

Ein ausgesprochen wichtiges Instrument ist dabei die Bauleitplanung. Gerade beim starken Druck auf Wohnbebauung muss für die Zukunft noch stärker der Aspekt der Wasserwirtschaft eine deutlich größere Rolle spielen. Angelehnt an das System der Schwammstadt kann auch in kleineren Ort ein Baugebiet so geplant werden, dass mehr öffentliche Fläche entsteht, die der Rückhaltung und der Versickerung dient. Patenschaften für öffentliche Flächen in den Gemeinden können aktiviert werden. Flächenentsiegelungen können die Wasseraufnahme in die Böden begünstigen, hier kann bei bestehenden und neuen Bebauungen noch Einiges getan werden. In vielen Fällen war es aber auch erfolgreich, öffentliche Flächen zur Pflege in private Hände zu geben, wenn die Pflegearbeiten dem Ziel der Wasserrückhaltung dienen.“

Wie sich Bürger*innen schützen können

Silke Westphalen hatte zu Beginn deutlich gemacht, dass es ihr wichtig ist, dass während ihres Vortrages Fragen gestellt werden und eine Diskussion entsteht. Die Anwesenden nahmen dieses Angebot an und so entspann sich eine sehr lebendige Diskussion auf fachlich hohem Niveau. Dabei ging es um geeignete Flächen zum Wohnen, um die Kosten von Bauplätzen im Zusammenhang mit engen Planungsvorgaben, aber auch um die Auswirkungen des Umbrechens von Grünland in drainierte Ackerfläche.

Als der Sachverhalt Starkregen zur Sprache kam, klärte sie: „Starkregenereignisse müssen von Hochwasserereignissen unterschieden werden, sie treten plötzlich punktuell auf. Aber auch hier gilt, dass das Wasser Platz finden muss. Hier kommen wir zu dem Punkt, wie sich die einzelnen Bürger*innen schützen können. Sicherlich nicht zu 100% – aber Mulden, Rigolen, Zisternen und auch Grasdächer sind Möglichkeiten auf privaten Grundstücken. Allerdings müssen sie fachgerecht hinsichtlich ihrer Effizienz vor der Erstellung durchgerechnet werden. Natürlich sind Anpflanzungen von Sträuchern und Bäumen unabdingbar. Da können Kommunen durch Informationen und Förderprogramme einiges bewirken. Grundsätzlich jedoch gilt: Die bereits jetzt bestehenden Klimaveränderungen werden immer wieder zu schwerwiegenden Ereignissen führen. Insofern wird es nur zielführend sein, dass alle miteinander gemeinsam an Präventions- und Schutzmaßnahmen arbeiten. Neben allen Bewohner*innen sind das die Kommunen, die Landwirtschaft und die Wasserwirtschaft!“

Klaus Rautenbach bedankte sich bei Frau Westphalen und den Anwesenden für die lebendige und lehrreiche Veranstaltung: „Ich denke, dass es heute klar geworden ist, dass wir eine sehr sachkundige Referentin bei uns hatten, die aber mit einem großen Herzen bei der Sache ist und die uns mitnehmen konnte. Wir wollen hoffen, dass das Vergessen dieses Mal nicht zu schnell einsetzt. Denn wir haben in den vergangenen 20 Jahren immer wieder gehört, dass etwas gemeinsam getan werden muss…“

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