Rede: Geh- und Radweg in Gamsen/Kästorf

Rede Rat zur Drucksache VIII/0806 „Geh- und Radweg in Gamsen/Kästorf“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren des Rates,

Als erstes ein Lob an die Verwaltung für die schon positive Umsetzung des Radverkehrskonzeptes. In der Stadt sind inzwischen viele Radverkehrswege gut, attraktiv und sicher ausgebaut.

Ich möchte hier nochmal einiges dazu aus dem Radverkehrskonzept zitieren und werde dann auf die einzelnen Punkte unseres Antrages eingehen.

Zitat: Seite 1 Vorwort von unserem Ehrenbürger und Altbürgermeister Herrn Birth

….

Mit diesem Radverkehrskonzept möchte die Stadt Gifhorn ihren Beitrag

dazu leisten, Rad fahren attraktiver und sicherer zu machen und noch

mehr Menschen dazu zu bewegen, auf das Fahrrad umzusteigen. Denn

gerade in der Stadt ist das Fahrrad das ideale Verkehrs-mittel: Auf Kurzstrecken

ist man mit dem Fahrrad oft schneller am Ziel als mit dem Auto,

es ist umweltfreundlich und leise, verbraucht wenig Platz und schont nicht

zuletzt auch den eigenen Geldbeutel angesichts der immer weiter steigenden

Energiekosten.

Und im letzten Absatz heißt es:…

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass der Radverkehr als gleichwertiges

und attraktives Verkehrssystem sichtbar wird, damit der Radverkehrsanteil

in unserer Stadt in den kommenden Jahren deutlich erhöht werden kann.

Weiteres Zitat S. 7 zu Beschaffenheit von Radwegen, dort heißt es:

Neben der reinen Breite der Radverkehrsanlagen ist auch deren Beschaffenheit

in die Bewertung einer Benutzungspflicht nach der StVO einzubeziehen.

Weiteres Zitat S. 25, 4 Netzplanung unter dem Punkt 4.1. Grundlagen heißt es:

Die Planung eines Radverkehrsnetzes hat zum Ziel, Radfahrern innerhalb

eines Planungsraumes für alle Fahrten sichere, bequeme und in ihrer Direktheit

den Anforderungen der Nutzer entsprechende Wege anzubieten.

Ein Radverkehrsnetz setzt sich aus Hauptverbindungen sowie untergeordneten

Verbindungen zur Erschließung auf Stadtteil- oder Stadtquartierebene

zusammen und wird gegebenenfalls durch Freizeitverbindungen ergänzt.

Anmerkung: Für uns von B90/Grüne ist der Verkehrsweg Gamsen/Kästorf die Hauptverbindung Nord-Süd und von daher von besonderer Bedeutung.

Und ein letztes Zitat S. 38, 6 Handlungskonzept und hier unter 6.1. Handlungsfelder heißt es u. a. Zur Verbesserung der Streckenqualität:

einer der Bausteine z. B. durch

  1. gute Oberflächen

  2. starke Absenkung

  3. Beleuchtung

  4. Geschwindigkeitsreduzierungen im Kfz.- Verkehr

  5. attraktives städtebauliches/ landschaftliches Umfeld

oder aber aus dem Text zitiert auf Seite 39

Neben den Möglichkeiten zur Verbesserung der Netzqualität ist auch der

Aspekt der Streckenqualitäten zu beachten. Entlang der für Radfahrer

wichtigen Verbindungsstrecken sind folgende Merkmale anzustreben:

langsame Geschwindigkeiten im Kraftfahrzeugverkehr,

ebene Straßen- und Radwegbeläge und

fahrradgerechte Gestaltung von Einmündungen und Knotenpunkten

sowie

ausreichende Beleuchtung der Verkehrswege zur Sicherung ihrer Benutzbarkeit

zu jeder Tages- und Jahreszeit.

Anmerkung: 1.) – zu fahrradgerechte Gestaltung von Einmündungen und Knotenpunkten – dies ist bei der derzeitigen Ausbauvariante nicht gegeben, die Radien sind zu groß und wir haben ein Bord von

3 cm. Ausbauzustand z.Zt.: Absatz zur Gosse, dann 3 cm Bord, dann Absatz zum Klinker.

2.) – ausreichende Beleuchtung der Verkehrswege zur Sicherung ihrer Benutzbarkeit zu jeder Tages- und Jahreszeit.

Auch dies ist eher nicht gegeben, insbesondere dadurch nicht, dass der Klinker bei Nässe spiegelt. Dies könnte man durch eine Beleuchtung des Radweges verbessern. Außerdem kommt man bei Nässe, im Herbst und Winter nicht immer ohne Gefahr auf den Weg.

Bevor ich zur Begründung einzelner Punkt unseres Antrags komme, möchte ich nochmal ganz deutlich und eindeutig für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen betonen, dass wir es sehr begrüßen, dass hier der Behindertenbeirat einbezogen wurde und dass auch barrierefrei ausgebaut wurde. Wir Grünen haben lange dafür gekämpft dass das so ist. Ich selbst und auch Frau Kliche sind Gründungsmitglieder des Behindertenbeirates.

Doch bei dem Geh- und Radweg handelt es sich um einen Verkehrsweg, der allen VerkehrsteilnehmerInnen die ihn benutzen müssen gerecht werden muss. Insbesondere im Altagsverkehr, wenn dieser Weg von RadfahrerInnen benutzt wird die statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zur Arbeit und zum Einkaufen fahren. Oder von RollatorfahrerInnen die diesen Weg zum Einkaufen nehmen.

Doch nun zur Begründung der einzelnen Punkte. Dieser Antrag ist entstanden bei einem ersten Runden Tisch „Radfahren in Gifhorn“ mit dem Ortsverband und der Fraktion B90/Grüne. Anwesende waren VertreterInnen des VCD, BUND, ADFC und einige Bürgerinnen und Bürger. Und ich glaube Horst Ganz, du warst ja auch da, es war eine sehr gute Diskusion. Insbesondere waren viele anwesende Personen fachlich sehr gut vorbereitet und haben ihre Sicht der Dinge mit guten Argumenten vorgetragen und erläutert, so dass im Nachhinein dieser nun vorliegende Antrag mit diesem Personenkreis abgestimmt, entstanden ist.

Antrag: 1. Die Pflasterung ist nicht innerhalb der verbindlichen Bautoleranzen eingebaut. Die Baumängel auf dem gemeinsamen Geh- und Radweg in Gamsen/ Kästorf werden beseitigt. Die Rippenplatten sind „talbündig“ zum Bord einzubauen, damit Stolperstellen ausgeschlossen werden.

Ich denke hierüber müssen wir nicht weiter abstimmen. Wir Grünen gehen davon aus, dass dies die Verwaltung sowieso tun wird. Allerdings kann ich sagen, dass bisher fast keine Einmündung in Ordnung ist.

2. Radien zum Auffahren auf den Geh- und Radweg sind so anzupassen, dass das Radfahren ohne Stürze bei feuchten Wetter überhaupt möglich wird.

Hier sieht es schon anders aus, im Moment ist es so, dass der Radweg insbesondere bei Nässe nicht gefahrlos an den Einmündungen zu befahren ist. Ist ein Fahrrad nach dem Einkaufen beladen oder hat man schmale Reifen, wie ich z. B. rutscht man durch den spitzen Winkel sehr leicht mit dem Vorder-oder Hinterrad ab und es kann im ungünstigsten Fall zu Stürzen kommen.

3. Es ist zu überprüfen ob die eingebauten Rundborde dem Stand der Technik entsprechen und nach der ERA 2010 überhaupt noch eingebaut werden dürfen. (siehe Abschlussbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen BASt-FP/Querungsstellen vom Oktober 2014)

Dies ist ein ganz klarer Prüfauftrag an die Verwaltung, die dies sicherlich entweder schon gemacht oder noch machen wird, schon allein um sich bei einem eventuellen Schadensfall sicher zu sein, dass dieser dann auch von der Versicherung übernommen werden kann.

4. Der Parkstreifen an der Sparkasse ist baulich, nicht durch Markierungen, so zu verkleinern, dass keine Fahrzeuge im Sichtwinkel des Parkplatzes der Sparkasse stehen können.

Dies ist im Ausschuss als Prüfauftrag beschlossen worden. Hier handelt es sich ausschließlich um eine Verbesserung für den Autoverkehr, der ohne große Diskussion von allen Seiten auf Zustimmung stieß. Jetzt lassen sie uns dies auch bei den Punkten zur Verbesserung für RadfahrerInnen so unkompliziert beschließen.

5. Im Bereich der Feuerwehr Gamsen ist der Geh- und Radweg so auszubauen, dass für die kurze Strecke mit 6 Überfahrungen kein „Mountainbike“ erforderlich ist.

Ja hier haben wir nun eine Situation wo es nicht so einfach ist dem Radfahren und dem Rollstuhl- und RollatorfahrerInnen gerecht zu werden. Jeder Bordstein, wie auch an allen Einmündungen stellt für diesen Personenkreis ein Hindernis dar. Dieser und der Punkt 7 können gemeinsam betrachtet werden. Wir haben schon aus eigener Beobachtung gesehen wie schwierig es ist, den Rollator vollgepackt nach dem Einkaufen über diese Barriere zu hiefen. Von RadfahrerInnen wissen wir, dass Ihnen schon die Einkäufe aus dem Fahrradkorb gefallen sind und von anderen haben wir von Speichenbrüchen auf der Strecke erfahren. Ganz davon abgesehen entspricht dieser Ausbau nicht dem Radverkehrskonzept.

6. Der Geh- und Radweg ist vollständig barrierefrei auszubauen, das schließt auch Anlagen auf dem Fußweg ein, z. B Hausnummern.

In der Nachbarschaft zum Gasthaus Schaper ist hier z. B. eine Hausnummer im Bereich des Geh- und Radweges. Hier ist einfach nochmal zu überprüfen ob solche Barrieren nicht noch entfernt werden können.

7. Der Geh- und Radweg ist so auszubauen, dass RollstuhlfahrerInnen, RollatorfahrerInnen und Gehbehinderte den Weg gefahrlos nutzen können.

Zu dem Problem habe ich schon etwas unter Punkt 5 gesagt. Hier würden wir jetzt einen Kompromiss vorschlagen. Der ganze Ausbau ist ein Kompromiss. Die Rillensteine, die bei einem gemeinsamen Geh- und Radweg auf der ganzen Breite zu bauen sind, sind bei der jetzigen Ausführung nur im grauen Bereich eingebaut. Wie wäre es, wenn man diesen Kompromiss fortsetzt und den roten Bereich des Geh- und Radweges auf Null absenkt. Hierbei würde man es dann auch Rollator- und RollstuhlfahrerInnen erleichtern den Verkehrsweg zu benutzen. Vielleicht ist hier ein Gespräch mit dem Behindertenbeirat möglich. Ich habe gestern Abend lange mit Herrn Hoffman telefoniert und ich könnte mir vorstellen, dass wir eine Lösung für alle Beteiligten finden können.

8. Das Schild zur Benutzung des Geh- und Radweges ist auszutauschen gegen ein Schild Fußweg, Radfahrer frei.

Sollte eine Einigung nicht möglich sein, muss man dem Radverkehr entgegen kommen indem man allen RadfahrerInnen freistellt ob sie diesen Weg benutzen wollen. Und hier denke ich insbesondere an eBike- fahrerInnen und den Personenkreis der für das Fahren mit dem Rad das Auto stehen lässt und in einer angemessenen Geschwindigkeit sein Ziel erreichen können muss.

Anfrage: 1. Gemäß Radroutenkonzept 2008 handelt es sich bei der Hamburger, / Hauptstraße um eine Radverbindung 1. Ordnung und sollte so ausgebaut werden. Deshalb die Frage ob nicht ein „echter Radweg“ gebaut werden muss?

2. Warum ist es möglich die Querungshilfen auf Null abzusenken und den Geh- und Radweg nicht?

3. Warum geht es, dass auf der Westseite der Fußweg an den Einmündungen auf Null abgesenkt werden konnte?

Im Sinne aller VerkehrsteilnehmerInnen hoffe ich hier auf eine Lösung zu den genannten Problemen und würde mich über eine konstruktive Diskussion auch hier, wie bei unserem Runden Tisch, freuen.

Danke

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